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Reanimation und milde Hypothermie Drucken
Artikel - Fallbeispiele
Geschrieben von: Dirk Jahnke   
Dienstag, den 03. Juli 2007 um 17:26 Uhr


Da man meist auf der Intensivstation nicht den gesamten Verlauf einer verzögerten Reanimation mitbekommt , nutze ich diesen realen aber etwas abgeänderten Fall, um das Vorgehen im Rahmen der milden Hypothermie nach Reanimation zu schildern.

Tag 1 18:34 Uhr

Alarm auf der Intensivstation über das Notfalltelefon. Reanimation im Aufnahmebereich.

ReaTeam ( Arzt und Fachpflegekraft) rückt mir Notfallrucksack, Defibrillator und „behandschuht“ aus.

Zügiger Gang in die Aufnahme.

Tag 1 18:35 Uhr

Eintreffen in der Aufnahme.

Situation: leblose Patientin unter CPR im Stationsbett

Maskenbeatmung 100%

Monitor ist angebracht, Defi bereits in standby

 

Zugang wird gerade gelegt (Aufnahmearzt)

 

 

 

Was ist passiert :

Patientin wurde als Beifahrerin bewusstlos. Fahrerin brachte sie dann leblos in die Klinik. Patientin wurde aus dem Auto ins Bett gelegt. Beginn der CPR - Alarmierung des Reateams.

CPR läuft seit ca. 1 min.

Weiteres Vorgehen:

 

Beurteilung der Situation:

Pflegekraft 1 am Kopf - beatmet

Pflegekraft 2 HDM

Arzt legt venösen Zugang (16G)

Pflegekraft 3 in standby am Reawagen

Intensivarzt übernimmt die Kopfposition – beutelt und leitet bei der bisher eher unkoordinierten CPR an.

 

Intensivpflegekraft platziert Gelplatten und Defi EKG da noch 1 min bis zur ersten Defibrillation

18:36 Uhr

Patient im Kammerflimmern – 1X 200J biphasisch - Defibrillation durch Intensivpflegekraft nach Anordnung

Unverzügliches fortsetzen der CPR (30:2)

Intensivpflegekraft bereitet Intubation vor, löst dann bei der HDM ab

Pflegekraft 3 bereitet Adrenalin 1:10 und Infusion vor

18:38 Uhr

weiter Kammerflimmern

erneute Defibrillation durch Aufnahmearzt

1X Adrenalin iv durch Aufnahmearzt

Pflegekraft 1 führt jetzt die HDM durch (30:2)

18:39 Uhr

 

Intubation bei schwieriger Einstellung der Stimmritze . Combitube schon in standby

18:40 Uhr

Weiter Kammerflimmern erneute Defibrillation

Erneut Adrenalin 1:10

Weiter CPR jetzt unsynchron, da Patient intubiert. Beatmung durch Pflegekraft 1 – HDM durch Intensivpflegekraft

300 mg Amiodaron Bolus iv durch Aufnahmearzt

18:42 Uhr

Erneut Adrenalin 1:10

Erneute Defibrillation

18:44 Uhr

Sinusrhythmus mit kräftigem Puls. RR 200 Sys

Patientin komatös – etwas Schnappatmung

Voranmeldung auf der Intensivstation

18:45 Uhr

Transport des Patienten unter EKG Monitoring und 100% Beutelbeatmung auf die Intensiv.

Kommentar: Die Personelle Situation in der CPR Situation wirkt fast gefährlich. 2 Ärzte und 4 Pflegekräfte. Dennoch lief alles sehr ruhig ab.

18:47 Uhr Eintreffen auf der Intensivstation.

Bettplatz ist vorbereitet (Beatmung/Intensivbett/Rollboard/Notfallwagen zur Erstversorgung). Patient wird unter Beatmung und Monitoring mit dem Rollboard ins Intensivbett umgelagert. Erweitertes Monitoring wird plaziert. Der Patient wird ausgezogen. ReaTeam Pflegekraft wird rausgelöst und dokumentiert auf dem Notfallprotokoll.

Patient weiter komatös!

Verdachtsdiagnose nach 12 Kanal EKG : wahrscheinlich primäres Rhythmusereignis

Arzt legt arterielle Kanüle und 3 Lumen ZVK

Pflegekraft legt Blasenkatheter mit Temperaturkatheter und Magensonde.

Beginn der Hypothermie mit leichter Abdeckung, Analgosedierung ,Relaxierung und 1l Nacl im Schuß.

Medikamente werden von 2. Pflegekraft vorbereitet.

1. BGA : leichte Hpokalämie , metabolische Azidose, gewünschte leichte Hypokapnie)

Nach ZVK Einlage Fentanyl und Midazolam als Perfusor (0,4mg/h und 10 mg /h) und Kalium

Beginn Norepinephrin da der mittlere art. Blutdruck jetzt unter 90 ist. Maximaldosis 400µ/h

Am Kopfende ist jetzt ein Ventilator positioniert. Der Patient ist feucht/kalt abgedeckt.

Innerhalb der ersten 1 ½ Stunden 3 l Nacl im Schuss – Temperatur dann 34 Grad.Nach erneuter Verabreichung von einem Liter im Zielbereich(2 Stunden nach Aufnahme)

Temperatur kann unter tiefer Analgosedierung und Relaxierung ohne Probleme gehalten werden.

Tag 2 19:00 Uhr (+24 Stunden)

Beenden der Hypothermie durch normales zudecken, Halbierung der Analgosedierung und beenden der Relaxierung.

Tag 3: 2 Uhr

Temperatur bei 36 Grad. Analgosedierung wird gestoppt.

4:00 Uhr

Patientin wird unruhig, agitiert, nicht kontaktierbar wach. Fortsetzen der Sedierung mit Propofol. Patient fiebert etwas auf. Wird medikamentös gesenkt.

12:00 Uhr

Propofol wird pausiert. Erneut sehr unruhige Patientin. Patientin wird dennoch extubiert. Nicht kontaktierbar, Motorik wirkt unruhig aber gezielt, spricht nicht. Bettgitter zum Selbstschutz.

Tag 4 15:00 Uhr

Patient spricht, bereits bis Sessel mit wenig Hilfe mobil. Isst am Abend selbständig sein Abendbrot. Deutliche Kurzeitgedächnisstörrung. Möchte gerne nach Hause gehen.

Kommentar:

Gerade aufgrund der unklaren Hypoxiezeit im fahrenden Wagen ist dies ein sehr erfreulicher Verlauf. Das Vorgehen ist von Standards geprägt. CPR nach aktuellen Guidelines,, die auch miteinander (Arzt und Pflege) trainiert werden. Kühlung nach stationsinternen Standard. Gerade aufgrund des vordefinierten Weges war die Versorgung ruhig und mit wenig Kommunikation möglich. Das aufnehmende Intensivteam war rasch in der Lage alle notwendigen Schritte zur Versorgung und Kühlung in die Wege zu leiten.

 

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