16 | 12 | 2017
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CO2 und respiratorische Insuffizienz Drucken
Artikel - nichtinvasive Beatmung
Geschrieben von: Dirk Jahnke   
Sonntag, den 21. September 2008 um 11:22 Uhr

Möchte man die Situation der Atempumpe beurteilen, kann der arterielle pCO2 wichtige Informationen liefern.

pCO2 niedrig     - Atempumpe läuft auf Hochtouren

pCO2 hoch         - Atempumpe läuft auf Sparflamme / mögliche Erschöpfung

 

 

Grundsätzlich ist das interpretieren einer art. BGA ja eine recht komplexe Geschichte. Jedoch kann man zusammen mit dem klinischen Eindruck nur mit pO2, pCO2 und pH auch schon einige Aussagen treffen. (ausführliches rund um die BGA: http://www.der-tiefe-einblick.de/)

 

Ein niedriger pO2 spricht immer für eine Hypoxie.

 

Mithilfe des pCO2 kann man eine Partial- (pCO2 normal, erniedrigt) oder eine Globalinsuffizienz (pCO2 erhöht) unterscheiden.

 

Der pH sollte grundsätzlich bei hohem pCO2 fallen, bei niedrigem pCO2 steigen. Liegt er trotz hohem pCO2 im Normbereich liegt entweder ein chronisches respiratorisches oder eine metabolisches Problem vor. Bei einem COPD Patienten spricht in dieser Situation alles für eine metabolisch kompensierte respiratorische Azidose. Also ein chronisch erhöhtes pCO2. Niedriger pCO2 und niedriger pH sprechen für ein metabolisches Problem, der Patient atmet mehr um den pH zu heben. Aber soweit wollte ich gar nicht ausholen.

 

Grundsätzlich kompensiert die Atmung metabolische Probleme sehr schnell. Fällt der pH z.B. im Rahmen einer Sepsis wird der Patient sofort mit mehr Ventilation sprich Abfall des pCO2 reagieren. Umgekehrt wird ein respiratorisches Problem z.B. bei einem Opiatüberhang nur langsam metabolisch Kompensiert. Bei einem akutem Atempumpversagen mit pCO2 Anstieg wird der pH also fallen.

 

Peripher venöse BGA

 

Gerade in einer Aufnahmesituation mit einem nur minimalversorgten respiratorisch insuffizienten Patienten gilt es rasch einen Überblick über die Funktion der Atempumpe zu bekommen. Da häufig primär ein zweiter venöser Zugang gelegt wird bietet es sich an neben einer Blutentnahme auch gleich eine BGA zu gewinnen. Was bringt uns diese BGA jedoch?

 

Grundsätzlich ist eine peripher venöse BGA wenig spezifisch. Jedoch kann man davon ausgehen das z.B. der venöse pCO2 über dem art. pCO2 liegt und der pH niedriger als art. ist. Sieht man in dieser BGA einen pCO2 bis 60mmhg spricht alles eher für ein tolerierbares art pCO2. Bis 50 für einen art. pCO2 im Normbereich. Messe ich jedoch einen venösen pCO2 von 90 muss von einer erschöpften Atempumpe ausgegangen werden.

 

Präzise Daten bekommt man natürlich nur aus einer art. BGA, aber um einen groben Überblick zu bekommen kann die venöse BGA hilfreich sein.

 

Im folgendem steht pCO2 nur für den arteriellen Wert!

 

Doch jetzt zurück zur Atmung. Was kann man mit dem pCO2 Bezug nehmend auf eine mögliche Atemhilfe/Beatmung anfangen?

 

Bei einem niedrigem oder normalen pCO2 im Sinne einer partial Insuffizienz bietet sich CPAP Atmung als Maßnahme der Wahl an. Eine NIV kann mehr aufgrund der Klinik sinnvoll sein. Ein unter CPAP weiter tachypnoeischer, angestrengter Patient kann von der Entlastung durch die NIV rein klinisch profitieren.   In vielen Fällen erreicht man eine bessere Klinik aber auch mit CPAP Therapie!

 

Anders beim erhöhten pCO2 im Sinne einer Globalinsuffizienz. Hier schafft die Atempumpe bei einer akuten respiratorischen Insuffizienz (pH niedrig, respiratorische Azidose) die Atemarbeit nicht. Grundsätzlich schreit eine Globalinsuffizienz nach Entlastung durch eine maschinelle Beatmung. In den letzten Jahren immer öfter per Maske anstatt nach endotrachealer Intubation.

 

Eine Ausnahme kann das Lungenödem darstellen. Setzt man hier trotz Hyperkapnie ein CPAP System ein, kann der positive Atemwegdruck so die pulmonale Situation verbessern, dass die Atempumpe entlastet wird. Der pCO2 wird netto fallen. Allerdings kann die Situation auch in die andere Richtung kippen. Durch erhöhten Totraum kommt es zum kippen der respiratorisch Situation.  Es gilt also beim Einsatz von CPAP in diesem Fall besonders in den ersten Minuten ein besonders engmaschiges Monitoring (auch klinisch) zu betreiben.

 

Allerdings gilt eine Hyperkapnie bei Lungenödem nach den aktuellen Leitlinien zur akut NIV als Indikation für eine NIV.

 

Bei einer metabolischen Azidose (ph niedrig, pCO2 niedrig&hellipWink sollte man von einer Masken-CPAP Therapie Abstand nehmen. Der Patient kompensiert sein metabolisches Problem durch Steigerung der Ventilation. Durch den erhöhten Totraum wird die dafür nötige Atemarbeit erhöht. Ein positiver Effekt in Richtung Azidose ist nicht zu erwarten! Hier gilt es eine Intubation ins Auge zu fassen ,abhängig von klinischer Situation und Grundproblem.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Kommentare (6)
Re: BGA und Beatmung
6 Montag, den 14. November 2016 um 12:09 Uhr
Dirk Jahnke
Moin H2008

Die Beatmung wird aufgrund der BGA angepasst. Ein hohes pCO2 (>50 mmHG) wird zur Steigerung der maschinellen Beatmung führen.Ist der pCO2 niedrig (en Minimalfrequenz macht es wenig Sinn die Beatmung zurückzunehmen. Der PCO2 wird von dir gesteuert und ein z.B. reduzieren des Drucks wirst du mit einer höheren Frequenz beantworten ein reduzieren der Frequenz wird keinen Effekt haben da du ja die Hübe anforderst.
Auch stellt eine BGA nur eine Momentaufnahme da. Liegt das Atemminutenvolumen bei der Abnahme deutlich höher als im Tagesschnitt wird man einen verfälschten pCO2 sehen. Sinn macht dann eine z.B. nächtliche Dauermessung, um den Verlauf des pCO2 besser beurteilen zu können.

Alles in allem eine recht komplexe Situation und deshalb sollte unter Heimbeatmung ja eine regelmässige Überprüfung im Beatmungszentrum stattfinden!

Grüße
Dirk Jahnke
BGA und Beatmung
5 Montag, den 14. November 2016 um 11:48 Uhr
H 2008
Hallo,

bin neu hier und habe eine Frage. Weiß Jemand, wie sich BGA Ergebnisse z.B.pCO2 auf Beatmungsparameter auswirken? Habe seit einigen Jahren eine Tracheotomie. Bin deshalb beatmet mit einer Druckkontrolierten Variante (APCV).
Re rampe
4 Samstag, den 31. Dezember 2011 um 18:31 Uhr
Dirk Jahnke
Moin Ronny

Rampe steht aber nur für die Zeit bis der eingestellte Druck erreicht ist. Verändert den Druck also nicht. Hat eher Einfluss auf die Gasverteilung. Das ganze erscheint mir aber für die Kommentarfunktion zu umfangreich. Werde die Tage mal einen eigenen Artikel zum Thema Rampe ins Netz stellen.

MFG und guten Rutsch Dirk Jahnke

PS.: Irgendwie taucht auf dieser Seite der Begriff Rampe überhaupt nicht auf Cool

Artikel Rampe : http://www.atmungbeatmung.de/invasiv/184-die-rampe-im-beatmungsregime
rampe
3 Samstag, den 31. Dezember 2011 um 15:24 Uhr
Ronny
hallo meine frage lautet warum denn die rampe unter den beatmungsparametern so wichtig ist die lunge ist doch schon stark überbläht warum soll ich denn dann noch mit druck O2 in die lungen pumpen das bewirkt doch das die lungen noch mehr überblähen und der patient noch mehr CO2 abatmen muss.

was können sie mir dazu sagen ,so verkehrt ist doch der gedanke nicht oder?
Antwort
2 Donnerstag, den 10. Februar 2011 um 20:03 Uhr
Schurkin
Hallo
dein Bewohner hat eine Hypokapnie im Sinne einer respiratorische Alkalose.

LG Surprised
BGA- -Auswertung
1 Donnerstag, den 26. August 2010 um 02:36 Uhr
Katrin Mante
Hallo, ich arbeite auf einer Langzeitbeatmungsstation.
Ein Bewohner hat folgende BGA unter Beatmung:
pH: 7,52
pCO2: 28
pO2: 58
HCO3: 22,9
BE 0,6
SO2 90%

der Bewohner ist PSV beatmet mit einem IPAP 16, Rampe 2, AF 12, PEEP 5, Mindestvolumen 500
Bewohner ist nur nachts beatmet und am Tag in der Spontanatemphase. Während der Spontanatemphase ist die BGA super.
Welche Einstellung können wir vornehmen, um unter Beatmung die Werte zu optimieren. Oder ist es sinnvol, den Bewohner vom Respirator zu entwöhnen?
Ich bitte um schnellstmögliche Antwort unter meiner E-Mail Adresse: xxxxxx@xxxx.de
für die Mühe bedanke ich mich und freue mich über Ihre Meinung und Hilfe

lG, Katrin Mante

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